Winter + Obst = Grippe


Diese hübsche „Gripperechnung“ geht jeden Winter für Millionen Menschen auf. Wie bitte? Obst ist doch gesund, hat viele Vitamine und die schützen doch vor Grippe?

Ja und nein. Nehmen wir diesen hübschen Einkauf. Sieht doch sehr gesund aus, oder?

Ja Vitamine sind gesund.

Ja, Vitamine würden theoretisch vor Grippe schützen.

Ja, Vitamine können helfen eine Grippe schneller zu beenden.

Und ja, in Obst sind eigentlich viele Vitamine enthalten die all diese gesunden Effekte unterstützen können.

Also, wo liegt das Problem?

Obst besteht halt leider nicht nur aus Vitaminen. Obst besteht hauptsächlich aus Wasser, Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Vitamine und Mineralien sind der kleinste Anteil. Frisch gepflügt ist diese Zusammenstellung immer noch sehr gesund. Aber jetzt kommt der große Unterschied:

Die Zeit ist das Problem. Obst fällt im Winter nicht vom Baum auf den Teller. Wenn wir in unserem deutschsprachigen Breitengrad zur Winterzeit Äpfel, Birnen, Bananen, Erdbeeren, Kiwis und all die leckeren süßen alternativen essen, sind diese Früchte bereits vor langer Zeit gepflückt worden.

Vielleicht hast Du schonmal vom sogenannten "nachreifen" gehört. Das Nachreifen findet statt, nachdem eine Frucht nicht mehr über den Baum, Strauch, etc. mit Nährstoffen versorgt wird. So werden grüne Bananen selbst zuhause im Obstkorb mit der Zeit trotzdem noch gelb, weich und süß. Das heißt: Die Zusammenstellung aus Wasser, Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Mikronährstoffen verändert sich stündlich. Und zwar zugunsten der Kohlenhydrate. Insbesondere zugunsten der Fructose. Fructose ist der Fruchtzucker. Fructose sorgt für den angenehm süßen Geschmack.

OK, bedeutet das dann einfach mehr Fruchtzucker und weniger Vitamine pro Obststück? Genau!

Könnte man dann nicht einfach mehr Obst essen, um auf die gleiche Menge Vitamine zu kommen?

Ja, könnte man. Allerdings würde man dann gleichzeitig ein vielfaches des Fruchtzuckers essen. Im Winter Obst zu essen ist ungefähr so gesund wie Smarties. Schön bunt, aber eigentlich nur Zucker. Übrigens hat eine Studie aufgezeigt das bereits 3 Smarties am Tag bei Kindern das Diabetesrisiko erheblich steigen lässt.

Aber zurück zu unserer Winterobstdiskrepanz. Vielleicht denkst Du jetzt: Das ist doch nicht so schlimm. Dann nehme ich durch den Zucker im Winter eben ein paar Pfund zu. Die kann ich im Frühjahr ja wieder abnehmen. Das stimmt. Allerdings „ernähren“ sich leider nicht nur die Fettdepots von viel Zucker. Die meisten Grippe auslösenden Bakterien ernähren sich ebenso von Zucker.

Also, je mehr Zucker man im Winter konsumiert, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit an einer Grippe zu erkranken.

Und ja, das gilt leider auch für den Fruchtzucker im Obst. Insbesondere in Dörrobst, Säften, abgefüllten Smoothies und eben dem Obst, das schon vor Wochen oder Monaten gepflückt wurde.

Bedeutet das nun, dass jegliche Kohlenhydrate im Winter tendenziell schädlich sind? Glücklicherweise nicht. Die Kohlenhydrate die wir in den meisten Gemüsesorten finden sind sehr gesund. Das liegt vor allem daran, dass es strukturell andere Kohlenhydrate sind. Wie das funktioniert würde jetzt sehr weit ins Detail gehen. Du kannst Dir aber merken:

Besonders Wurzelgemüse, alle Kohlsorten, dunkelgrünes Blattgemüse und entsprechend Suppen und Eintöpfe sind die perfekte Quelle an Vitaminen und Mineralien für den Winter.

Und wenn Du doch mal einen starken Heißhunger auf etwas Süßes verspürst, dann empfehle ich Dir gefrorenes Obst oder gefrorene Beeren zu kaufen. Aufgewärmt mit gerösteten Nüssen, sehr lecker ;-)

Das "Schokomousse" auf diesem Bild besteht übrigens aus gemahlenen Mandeln, Avocoado, Datteln, Kakao, Zimt und Beeren ;)

PS:

Für alle die jetzt denken: Toll Louis, hättest Du mir das nicht am Anfang des Winters sagen können? Diese Information ist besonders gegen Ende des Winters interessant, weil da die Speicher geleert sind. Also jetzt wird es interessant ob Du es ohne Erkältung etc. bis zu den ersten erntefrischen Früchten schaffst ;)

Quellenangaben

Lim JS1, Mietus-Snyder M, Valente A, Schwarz JM, Lustig RH.

The role of fructose in the pathogenesis of NAFLD and the metabolic syndrome.

Kim M. Huffman, MD, PhD, Melissa C. Orenduff, BS, Gregory P. Samsa, PhD, Joseph A. Houmard, PhD, William E. Kraus, MD, and Connie W. Bales, PhD, RD

Dietary carbohydrate intake and high sensitivity C reactive protein in at-risk women and men

Selective neuronal lapses precede human cognitive lapses following sleep deprivation, Nature Medicine

Kyle Allison (Howard Hughes Medical Institute, Boston University) et al.: Nature, Bd. 473, S. 216


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Louis Weidenkopf

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